Wie ein Auto mein Leben veränderte

...und was zuvor geschah!
Ein Bericht von Sara Letzner
20. März 2016

Es gibt Momente, da blickt man einfach mal zurück. Nicht, um sich zu fragen, ob man dieses oder jenes hätte anders machen sollen, sondern einfach, um sich zu erinnern.

So möchte ich es jetzt auch tun und Euch daran teilhaben lassen. Seid Ihr bereit, mit mir in die Vergangenheit zu reisen??? Dann mal nichts wie los!

Vermutlich müsste ich noch viel früher zurück in die Vergangenheit, aber wir beginnen einfach mal im Dezember 2000. Ein Gespräch was dort stattgefunden hat, liegt mir bis heute in den Ohren. Nun aber los: Dezember 2000, gute zwei Monate vor meinen 18.Geburtstag besuchten wir den Patenonkel meiner Schwester im Ruhrgebiet. Dessen Sohn hat eine große Autowerkstatt und auch zahlreiche Neu – und Gebrauchtwagen im Angebot. Meine Mutter wollte damals einfach über den großen Hof schlendern, während ich mit dem Patenonkel meiner jüngeren Schwester in der warmen Wohnung blieb. Er fragte mich dann danach, welches Auto ich denn gerne fahren würde, wenn ich den Führerschein in den Händen halten würde. Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort – Mini!!!

Wie das Gespräch seinen Verlauf nahm, könnt Ihr Euch nun vielleicht denken?! Als „alter“ Werkstattbesitzer wusste er natürlich von der Unzuverlässigkeit der Briten reichlich zu berichten, was mich allerdings nicht von meinen Traum, irgendwann mal so einen kleinen Flitzer fahren zu dürfen, abbringen sollte. Als Schülerin war es eh undenkbar mit 18 einen eigenen Wagen zu haben, so hoffte ich da noch auf die Gunst meiner Mutter, ihr Golf IV Cabriolet hin und wieder nutzen zu dürfen. Weihnachten zeigte mir dann aber, dass ich ein eigenes kleines Auto mein Eigen nennen durfte: der rote Opel Corsa A – liebevoll „Ticksie“ genannt – sollte mich die ersten Monate auf der Straße begleiten dürfen. An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Mutter dafür bedanken, dass sie mir dies ermöglicht hat, auch wenn es auch viel mit der Sorge um ihren Golf verbunden war.

Ein gutes halbes Jahr waren dieser kleine Opel und ich ein Team, während ich sehr sorgfältig mit dem Auto umging, schonte dieser meinen schmalen Geldbeutel nicht. Zuverlässigkeit war nicht Ticksies Stärke und das, obwohl sie kein Mini war… Im August 2001 musste somit ein anderer Wagen her, schließlich hatte ich von dort an täglich rund 50km Arbeitsweg vor mir und eine Häufung von Pannen mit zu spätem Erscheinen im Ausbildungsbetrieb hätte sich nicht gut gemacht. Somit zog ein damals neuwertiger Ford Ka bei mir ein. Ka – das war und blieb sein Name während der anderthalb jährigen Beziehung, die wir führten, weil wir es irgendwie mussten. Zweckgemeinschaft halt. Mein Traum war ja immer noch ein anderer und der ebenso rote Elefantenrollschuh schaffte es nicht, mein Herz zu erobern und an einem Freitagnachmittag sorgte ein unachtsamer Autofahrer dafür, dass sich unsere Wege trennen sollten: er missachtete meine Vorfahrt und fügte dem Ka erheblichen Schaden zu. Time to say goodbye.

Ihr denkt jetzt, das war der richtige Zeitpunkt für den Einzug eines Minis? Fehlanzeige. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gar keinen Gedanken daran verschwendet, mich nach einem Mini umzusehen. Meine Mutter war nach wie vor davon überzeugt, dass das kein richtiges Auto für mich sein würde und ich etwas „anständiges“ kaufen sollte. Klein sollte er dennoch sein und so kam es, das ich mich den schwarzen Seat Arosa verguckte, den ich noch heute (13Jahre später) mein eigen nenne.


Rosie - Seat Arosa im September 2007


Unzuverlässig ist „Rosie“ nicht gewesen, denn stehen lassen hat mich der Kleinwagen nie, aber dennoch hat sie Spanierin mich einen Haufen Geld gekostet: Getriebeschaden, Kopfdichtung, viele Zickereien… Rosie und ich waren trotz allem ein relativ gutes Team, ein Verkauf zu Gunsten eines Minis kam mir auch nach Abschluss meiner Ausbildung nicht in den Sinn. Allerdings schaute ich mir damals mit meinem Vati einen Mini von Bekannten an, als Spaßauto für uns beide, aber der war leider in einem Zustand, den keiner von uns als annähernd gut bezeichnen wollte. Langsam wurde mir klar, dass an diesen Traum ein Haken gemacht werden konnte, wenn nicht ein Wunder geschehen würde…

Als ich 2006 das erste Mal bei meinem Mann Markus zu Besuch war, flammte der Wunsch wieder auf, schließlich hing im Hausflur eine Zeichnung eines Mini Coopers. Einige Fragen musste der Arme sich damals gefallen lassen und wieder einmal träumte ich, träumte davon irgendwann mal einen Mini mein eigen nennen zu können. Andere zählen zum Einschlafen Schafe, ich zählte Minis… Markus bremste meine Euphorie damals allerdings schnell wieder, schließlich brauchte das Haus viel Zeit und auch noch einiges an Geld, somit machte es keinen Sinn, sich eine kleine Zeit – und Geldvernichtungsmaschine in Form eines betagten Minis in die Garage zu stellen. Naja, ein Jahr später sah alles plötzlich ganz anders aus. Ein Besuch am Nürburgring zum 6Stunden Rennen und ein dort fahrender gelb – blauer Mini sollten im September 2007 die Faktoren sein, die mich wieder dazu bewegten, zu quengeln. So sehr zu quengeln, das Markus irgendwann einfach sagte: „Wenn du dann zufrieden bist, musst du dir eben einen Mini kaufen!“ Yeah! Die erste große Hürde war somit überstanden, dem Kauf eines Mini – meines –stand somit nichts mehr im Wege.

So kam es dann im September 2007 dazu, dass ich mir ein Auto kaufte, das unser Leben ab diesem Zeitpunkt auf den Kopf stellen sollte. Diverse Seiten im Internet hatte ich schnell durchforstet und war an einem eBay Inserat hängen geblieben, das zumindest ein Kriterium erfüllte. Markus wollte schließlich einen 1300er mit Revolution Felgen. Die Felgen hatte der rote Flitzer und von dem kleinen Motor ließ ich mich nicht abschrecken. Wenige Telefonate und der Mini aus dem Jahre 1989 war ungesehen gekauft (was ich heute nie wieder tun würde). Sonntags drauf machten wir uns dann auf den Weg, um den Candyroten Mini mit Flammenairbrush auf den Türen und Karodach im 350km entfernten Norden (Norddeich) abzuholen. Dass ich völlig aus dem Häuschen war, muss ich an dieser Stelle vermutlich nicht erwähnen J Schnell waren die Formalitäten in Norden geregelt, das ich die 19. Halterin (!!!) sein sollte, schreckte mich ebenso wenig ab wie alte, gammelige BMW Sitze, ein fehlender Dachhimmel und auch die angenieteten Schweller ließen uns nicht stutzig werden.

Markus kannte zwar im groben den Mini, aber seine Minizeit lag knapp 15Jahre zurück. Egal, der Mini war MEINER und ich schwebte auf Wolke 7, denn schließlich war soeben mein jahrelanger Traum in Erfüllung gegangen. Ruckzuck saß ich hinter dem Lenkrad (war natürlich nicht eingetragen, ebenso wenig die 13“ Revos) und fuhr Markus hinterher. Unser Weg führte uns 90km lang über die A31 bis nach Papeburg, weil wir dort noch einen kleinen Besuch bei Bekannten einlegen wollten. Meine Freude wurde auf dem Weg etwas gebremst, denn von dem Gokart ähnlichen Fahrverhalten merkte ich nichts. Eher hatte ich zu kämpfen, den Zwerg (so sollte er dann auch heißen) auf der Straße zu halten. Eifrig suchte sich der Wagen seinen Weg und ich nahm mir eines vor und zwar mir nicht anmerken lassen, das ich etwas enttäuscht war. Zu groß war meine Sorge, dass Markus den kleinen Wagen direkt wieder loswerden wollte. Nach dem kleinen Zwischenstopp wollte Markus den Mini ein paar Kilometer über die Bundesstraße fahren um dann wieder an der Autobahnauffahrt mit mir zu tauschen. Daraus wurde dann leider für mich nichts mehr, denn auf der Strecke diagnostizierte er meinem Zwerg „fast unfahrbar, gefährlich und das Getriebe hat einen weg“. Kurz vor zu Hause tauschten wir dann wieder, schließlich standen meine Eltern als Empfangskomitee auf der Einfahrt und mussten ja nicht direkt bemerken, dass der Kauf nicht der Glücklichste gewesen ist. Das Ummelden in unseren Kreis hätte ich mir vermutlich sparen können, denn ganze zwei Mal bin ich mit dem Mini zur Arbeit gefahren, davon einmal mit einem etwas weiterem Heimweg und Ausfall des Lichtes bei Dunkelheit…


Ein (Alb)Traum wird wahr und das Minileben nimmt seinen Lauf


Vom Albtraum ist da noch nichts zu sehen...


Den Kopf in den Sand stecken? Den Mini direkt wieder veräußern? Das kam nicht in Frage, auch wenn ich zugeben muss, das einige Tränen gerollt sind. Aber vermutlich ist das normal, wenn sich der Traum Albtraum entwickelt. Eine To Do – List wurde erstellt, denn der Motor und das Fahrwerk wollten erneuert werden, damit der Fahrspaß im nächsten Frühling besser dann endlich Einzug erhalten sollte. Die 13“er mussten auch gehen, das stand fest. Das Internet und diverse Börsen wurden durchforstet und schon waren Motor und 12“ Revolution gefunden. Dass der Motor quasi in der Nachbarschaft (10km entfernt) stand und sich daraus eine Freundschaft entwickeln sollte, konnte noch niemand ahnen. Mit dem Kauf des schmucken 1300er Miniherzens lernten wir einen lieben Freund kennen, der uns von dort an mit Rat und Tat zur Seite stand. Schließlich öffnete er uns die Augen, das nicht nur Motor und Fahrwerk unbrauchbar waren. Mit einem Schraubendreher bewaffnet, zeigte er mir schnell, dass die braune Pest an allen erdenklichen Stellen der Karosse meines Zwerges zugesetzt hatte. Einmal bitte das komplette Blechpaket…

Ein Jahr nach dem Erwerb des Kleinwagens gingen die Blecharbeiten richtig los, denn über die Sommermonate brauchte uns Haus und Hof. Flex, Schweißgerät, Schweiß und Tränen waren das, was uns die nächsten Wochen und Monate begleiten sollte. Nach vielen Nächten in der Garage (DANKE, M&M ;)) stand der Zwerg endlich mit seinem neuen Blechkleid da. Viel Arbeit und die Gesundheit waren es, die das Projekt erstmals auf Eis legten. Den Traum, irgendwann mal mit MEINEM Mini der Sonne entgegen zu fahren, habe ich nie vergessen. So kam der Herbst 2009…

Meine Mutter brauchte einen Winterwagen. Also kamen wir auf die Idee, suchen wir einen Mini, den sie im Winter fahren kann und ich fahre ihn bis zum nächsten TÜV, um wenigstens etwas Mini fahren zu können. Wieder wurde gesucht und nach einem Reinfall wurden wir auch fündig. In Krefeld stand Markus Objekt der Begierde: ein schwarzer Mini Ckeckmate, Baujahr 1990. Mich ließen die Bilder völlig kalt und alle, die mich und Checky kennen, werden jetzt schmunzeln. Ja, dieser Checkmate ist mein Checky, den ich zu schätzen und lieben lernte. Ein sauberes Auto, das nur mal eine Politur benötigte. Ganz schnell war der Kaufvertrag unterzeichnet und der kleine 1000er stand in unserer Garage. Winterreifen wurden Neue gekauft, letztendlich aber, um darauf trocken in der Garage zu stehen. Mutti fuhr in diesem Winter meinen Seat Arosa und wir teilten uns ein Auto. Warum? Beim genaueren unter die Lupe nehmen des Minis, stellten wir fest, der Kleine ist einfach viel zu gut, um im Winter verheizt zu werden. Schweißstellen suchten wir lange…


Neuzugang "Checky" im November 2009


Der lang ersehnte Besuch eines IMMs sollte dann auch endlich wahr werden: mit neuer Auspuffanlage und neuen Felgen ging Pfingsten 2010 dieser Traum auch endlich in Erfüllung. Während Familie und Kollegen uns mittlerweile nur noch kopfschüttelnd beobachteten, trafen wir auf Gleichgesinnte, von denen sich viele nach den ganzen Jahren auch im Freundes – und Bekanntenkreis wiederfinden.


Checky am Lago di Garda, Italien, 2011


Doris und Norbert gehören auch dazu, trotz all der Kilometer, die uns trennen. Mone, Sascha und Marco, auch ihr gehört dazu. Gleichgesinnt und ebenfalls positiv verrückt, das ist das, was uns verbindet. Als weitere Fahrzeugkäufe anstanden, sind eben diese lieben Menschen diejenigen, die dafür Verständnis aufbringen, sich freuen, während andere einfach den Kopf schütteln und man auf völliges Unverständnis stößt.


Völlig Mini-infiziert zieht auch noch dieser Mini Cooper bei uns ein (Bericht darüber in diversen Ausgaben TDR)


Mini Cooper Dusty in Zandvoort (11/2015)


Durch den Kauf vom Zwerg hat sich unser Leben ziemlich verändert: die Garage ist voll, wir haben viele nette Leute kennengelernt. Was wäre nur passiert, wenn ich damals nicht so hartnäckig gewesen wäre? Vermutlich wäre ich in die Fußstapfen meiner Mutter getreten, würde ein Cabrio vor der Türe stehen haben und ein total normales Leben führen. Ohne Mini, ohne The Daily Rust und somit auch ohne Euch!


Wir können nicht nur englisch ;)


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